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Howard Carpendale – "Wenn nicht wir"

06. Oktober 2017

Howard Carpendale Cover Wenn nicht wir

Seit 50 Jahren ist er dabei. Dennoch schafft es Howard Carpendale immer wieder, so frische und relevante CDs wie sein neues Album zu veröffentlichen.

Nach dem Tod von Udo Jürgens ist Howard Carpendale eine der letzten jener überragenden Künstlerpersönlichkeiten, die gefühlt schon immer da waren und die die deutsche Musikgeschichte seit Jahrzehnten prägen. Und dieser Status eines Giganten, den der Südafrikaner stets mit Humor und Charme ausgefüllt hat, kommt nicht von ungefähr. Denn wie Udo Jürgens ist Howard Carpendale das große Kunststück gelungen, stets neue Wege einzuschlagen, hohe Risiken einzugehen, sich künstlerisch weiterzuentwickeln und sich dabei doch immer treu zu bleiben.

Howard Carpendale Foto BMC

Das gilt auch und ganz besonders für die Zeit seit Carpendales überraschender Rückkehr im Jahr 2007, nachdem er 2003 eigentlich seine Karriere beenden wollte. Er kündigte bei seinem Neuantritt an, jetzt nur noch das machen zu wollen, was er wirklich wollte – nicht zuletzt in musikalischer Hinsicht. Und in der Tat sind seine nunmehr sechs seitdem erschienenen Alben ein beeindruckendes Zeugnis einer musikalischen Öffnung hin zu einer international geprägten Popmusik, die Elemente aus ganz verschiedenen Genres aufnimmt – von Rock bis Rap, von Country bis Soul.

Howard Carpendale Foto BMC

Wenn nicht wir“ setzt diesen Kurs, den Carpendale und sein Kreativteam auf den im Zweijahresrhythmus veröffentlichten Alben „20 Uhr 10“ (2007), „Stark“ (2009), „Das alles bin ich“ (2011), „Viel zu lang gewartet“ (2013), „Das ist unsere Zeit“ (2015) eingeschlagen haben, nicht nur konsequent fort, sondern krönt ihn. Das liegt nicht zuletzt an den jungen Songwritern und Produzenten, mit denen Carpendale seit seinem Comeback zusammenarbeitet.

Howard Carpendale Foto BMC

Denn auch für „Wenn nicht wir“ sind auf diese Weise 13 starke, mutige Songs entstanden (plus einer grandiosen Neuinterpretation des Carpendale-Klassikers „Fremde oder Freunde“ gemeinsam mit Gregor Meyle), auf denen der 71-Jährige als Geschichtenerzähler wie auch als musikalische Kraft punktet. So finden sich auf dem Album Songs mit James-Bond-artiger Dramatik („Wenn nicht wir“), Stücke von reinstem Pop-Wasser („Unter unserem Himmel“), Nummern mit impulsiven Soul/R&B-Einschlag („Lass einfach los“) oder auch ganz stille Balladen wie „Das Lied, das Leben heißt“, die mit Piano- und Streicher-Begleitung auskommen.

Howard Carpendale Foto BMC

Genauso so wichtig und berührend sind die Texte. Mal erzählt Carpendale einfühlsam die Geschichte einer Trennung aus Sicht eines betroffenen Kindes („Niemandsland“), mal nutzt er die eigene Biographie für einen Song, in dem Nostalgie, Wehmut, aber auch Dankbarkeit und Zukunftsoptimismus eine gelungene Verbindung eingehen („Immer noch da“) und ein anderes Mal fordert er gerade in Zeiten wie diesen Solidarität und Verantwortung („Für einander da“). Am deutlichsten wird Carpendale aber in dem in seiner Wuchtigkeit überraschenden Stück „Babylon“. Hier treffen gerappte Strophen auf rockige Gitarren, während er textlich eine Endzeit-Apokalypse heraufbeschwört, in der er „Nordkorea, Venezuela“ augenzwinkernd, aber trefflich auf die Frage „Trumps Geburt: War das ein Fehler?“ reimt.

Es sind Stücken und Alben wie diese, die aus Howard Carpendale, der 2017 sein sage und schreibe 50-jähriges Branchenjubiläum feiert, eben jene Künstlerpersönlichkeit gemacht haben, wie es sie leider nur selten gibt. „Wer, wenn nicht wir“, singt er im Titelsong, aber genauso gut könnte man über ihn sagen: Wer, wenn nicht er.

Hier können Sie die CD „Wenn nicht wir“ von Howard Carpendale direkt bestellen:


(Fotos Howard Carpendale: BMC)

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