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Radio Doria – "2 Seiten"

01. September 2017

Radio Doria Cover 2 Seiten

Mit dem zweiten Album haben Radio Doria, die Band um Jan Josef Liefers, eine eigene Identität und einen eigenen Sound im deutschen Pop gefunden.

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Dieses alte Sprichwort mag den Eheleuten Jan Josef Liefers und Anna Loos schon öfter geholfen haben – vor allem wenn es um die Vorurteile geht, die Kritiker oder Musikhörer immer dann ins Spiel bringen, wenn es mal wieder heißt, das seien doch „singende Schauspieler“. Darin schwingt der Vorwurf mit, ein Schauspieler, der auch Musik macht, würde auf der Bühne lediglich eine weitere Rolle spielen und nicht wie ein Musiker seine eigenen Gefühle in Musik ausdrücken.

Radio Doria Foto Michael Zargarinejad

Und tatsächlich wird es auch den einen oder anderen Fall geben, bei dem dies zutrifft – aber Anna Loos und Jan Josef Liefers gehören zweifellos nicht in diese Gruppe. Das zeigt sich bereits daran, dass beide in festen Bands spielen und eben nicht unter dem eigenen Namen in Erscheinung treten. Und auch wenn Silly mit Anna Loos schon etwas länger dabei und ein wenig erfolgreicher sind, so sind Radio Doria, die Band in der Liefers singt, mindestens genauso so spannend.

2 Seiten“ ist nun das zweite Album der Gruppe nach „Die freie Stimme der Schlaflosigkeit“, das 2017 einen beachtlichen Platz sieben in den Offiziellen Deutschen Charts erreichte. Auf den elf neuen Songs (plus einem Remix der Single „Jeder meiner Fehler“) hört man nun eine Band, die noch stärker zusammengewachsen ist, eine eigene Identität und vor allem einen eigenen Sound gefunden hat.

Radio Doria Foto Michael Zargarinejad

Musikalisch und textlich sind die Musiker einen Schritt weitergegangen, ihr deutschsprachiger Pop ist ein Stück weit experimenteller, aber zugleich noch eingängiger, ja eindringlicher, während die Texte nachdenklicher, reflektierter und poetischer geworden sind. „Komm mit auf Reisen, damit wir bleiben, wer wir sind“, heißt es etwa im Eröffnungssong „Eigentlich“. Dies ist gekleidet in sphärische Sounds, aber dass Radio Doria auch anders können, zeigt gleich der zweite Song, „Das weiße Haus“. Ein treibender Bass und funky Gitarren untermalen ein Lied, in dem es anspielungsreich darum geht, wie „Licht und Liebe“ ein heruntergekommenes Haus (als Bild für einen Menschen oder eine Beziehung) wieder mit Leben erfüllen.

Radio Doria

Zu den Höhepunkten des vielschichtigen Albums gehören indes die Balladen. Jan Josef Liefers stellt mit einer druckvollen wie emotionalen Gesangsleistung am Ende von „Jeder meiner Fehler“ unter Beweis, was für ein guter Sänger er ist. Der nachdenkliche Song findet neue Worte für die ewigen Beziehungsfragen zweier Liebender. So regt die Erkenntnis „Jeder meiner Fehler bringt mich wieder zu dir“ unweigerlich zum Nachdenken an.

Nachgerade philosophisch gibt sich auch „So schön“. Denn was beim neugierig machenden Liedtitel auf den ersten Blick nach einer Optimismus-Hymne aussieht, geht im Text als „so schön kaputt“ weiter und entpuppt sich als eine gesungene Abhandlung über die Vergänglichkeit des Seins, die dann in einer instrumentalen Streicher- und Piano-Coda langsam und berührend ausklingt.

Radio Doria Jan Josef Liefers Foto Ben Wolf

Die größte Überraschung aber wartet bei „Nie egal“, als kein Geringerer als Reinhard Mey in der zweiten Strophe anhebt zu singen: Ein Ritterschlag für Radio Doria, denn der große deutsche Liedermacher ist alles andere als ein Duettpartner, der ständig als Gast bei seinen Kollegen auftaucht.

Radio Doria aber haben sich diese Ehrung mehr als verdient. Ihnen ist ein denkwürdiges Album gelungen, das die deutsche Pop-Landschaft 2017 bereichert. Darüber können sich Jan Josef Liefers und Anna Loos nun hoffentlich auch gemeinsam freuen, denn geteilte Freude bedeutet ja auch doppelte Freude.

(Radio Doria 1. u. 2. Foto v. oben: Foto Michael Zargarinejad;
Foto Radio Doria/Jan Josef Liefers unten: Ben Wolf
)

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