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CD-Tipp der Woche Fernando Express - "Pretty Flamingo"
Nach dem Motto „Alles bleibt anders“ beglückwünschen wir die Truppe um Bandgründer Josef Eisenhut mit ihren neuen Produzenten Werner Schüler und Norbert Beierlein samt neuer Plattenfirma für ein wirklich gelungenes Stück Lebensfreude!
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Udo Jürgens

Benny Schnier: "Hallo liebe Zuschauer von Gute Laune TV. Ich befinde mich hier im Adagio in Berlin und hier fand gerade die Pressekonferenz zum neuen Album „Einfach Ich“ von Udo Jürgens statt. Und ich freu mich ganz besonders, dass er jetzt Zeit hat, trotz der vielen Termine, auch ein kleines Gespräch hier bei Gute Laune TV zu führen. Hallo, Udo Jürgens!"

Udo Jürgens: "Hallo!"

Schnier: "Erst einmal Riesen-Kompliment für das neue Album. Gefällt mir ausgesprochen gut."

Jürgens: "Danke!"

Schnier: "Was ist das für ein Gefühl als Künstler, ich denke, man hat ja trotzdem immer so Zweifel, wenn man was Kreatives erschaffen hat."

Jürgens: "Das ist natürlich ein tolles Gefühl nach so vielen Jahren. Das ist, glaube ich, mein 51. Album. Ungewöhnlich viel. So etwas hätte ich mir nie im Leben vorstellt, dass ich mal so viel machen würde. Und das einem da immer noch so was einfällt, und dieses Mal sogar besonders. Das bedeutet mir viel. Möchte sagen, das hält mich wahrscheinlich auch irgendwo fit, so dass ich mich nach wie vor so hineinhänge, wenn ich was mache."

Schnier: "Wie kam es zum Albumtitel „Einfach Ich“?"

Jürgens: "Es kam dazu, weil mein Textdichter Wolfgang Hofer, mit dem ich sehr viele Lieder geschrieben habe, mal wieder einfach mit einem Text daher kam und mit einem Entwurf. Es standen unten ungefähr sechs bis acht Zeilen und unten stand „einfach ich“ mit den Zeilen „erwarte dir nicht so viel von mir, denn ich bin doch nur einfach ich“. Und wie ich das gelesen habe, war mir plötzlich klar, wir werden eine schöne Ballade mit dem Lied machen und das wäre ein guter Titel für ein Album und wir haben uns dann für diesen Titel für das Album entschieden. Ursprünglich war „Tanz auf den Vulkan“ auch als Albumtitel gedacht. Das ist jetzt die erste Single, aber ich glaube, „Einfach Ich“ ist einfach neutraler und, ja, führt mehr auf mich hin und alle waren der Meinung, es ist der bessere Titel."

Schnier: "Es fängt an, wieder mit einer Fanfare, das hat ja schon fast Tradition, oder?"

Jürgens: "Ja, wieso? Jedes zweite, dritte Album mach ich eine Fanfare, keine Achtelhits oder so was. Ich liebe Fanfaren. Sie haben etwas Mitreißendes und etwas Mutmachendes. Das Album ist auch Anfang des Jahres erschienen und ich wollte damit Mut für das neue Jahr demonstrieren und habe „Fanfare 2008“ genannt. Ich habe es mit dem Royal Philharmonic Orchestra London aufgenommen. Überhaupt habe ich einige Stücke mit dem Orchester gespielt. Also, es hat mir Riesen-Spaß gemacht das Album zu machen."

Schnier: "Das muss ja auch ein besonderes Erlebnis sein, in so einem legendären Studio zu spielen und aufzunehmen, oder?"

Jürgens: "Wir waren in Abior im Studio. Das ist damals als Beatles-Studio durch die Weltpresse gegangen. Und wenn man die alten Fotos, da bin ich, glaub ich, noch ein Kind, und als Kind erinnert man sich an die lange Treppe in der Studiowand hinauf und so weiter. Das ist alles heut noch so dort. Es war schon ein Wunsch von mir dort zu produzieren. Und wie ich dann nachgefragt habe, habe ich festgestellt, dass es das Nr. 1 Studio in London heute ist. Ein bisschen ausgebaut, aber das alte originale Studio in dem wir gearbeitet haben, ist das, wo auch die Beatles ihre Schallplatten gemacht haben und ich muss sagen, das war für mich jetzt irgendwie ein sentimentales Erlebnis, in diesem Raum zu sein."

Schnier: "Das glaube ich gern! Jetzt gibt es viele Liebeslieder auf dem Album. Hat das einen Grund?"

Jürgens: "Nicht bewusst, denn ich fange an, irgendwie zu diskutieren und nachzudenken und dann entsteht ein Lied nach dem anderen. Und wie wir es fertig produziert haben, hab ich mir den Titel so angeschaut und festgestellt: „Donnerwetter, ist ja mehr Liebe als sonst auf dem Album drauf“. Ich empfinde das nicht als Nachteil. Die Liebe ist für jeden Menschen ein zentrales Lebensgefühl, ob negativ oder positiv besetzt. Wir alle gehen immer wieder durch die Glücksgefühle, aber manchmal auch durch das Feuer, das uns die Liebe bereitet. Den Schmerz, die Einsamkeit, Verzweifelung, das Verlassenwerden. All das sind Dinge, die zu unserem Sein gehören, mit denen wir uns auseinandersetzen. Es ist der Stoff, aus dem die Träume sind, der Stoff aus dem die Bücher sind, die Lieder sind, die Filme sind. Alles ist im Leben und geht auf diese Urgefühl zurück und daher bin ich sogar sehr glücklich, dass ich jetzt in älteren Jahren eine Schallplatte gemacht habe, die so versucht, ehrlich mit dem Gedanken und mit dem Gefühl „Liebe“ umzugehen."

Schnier: "Jetzt kommt man als Komponist in der heutigen Zeit am Thema Klimawandel nicht vorbei. Gibt es da auch einen Song auf dem Album?"

Jürgens: "Ja, das ist „Tanz auf dem Vulkan“. Ja, wir tanzen auf dem Vulkan in der heutigen Zeit. Das muss man einfach wissen. Es ist unsere eigene Verschuldung. Auf der Erde richten wir ganz erhebliches Unheil an. Und dieses Mehrwerden von Menschen, aber nicht Größerwerden des Erdballs, erzeugt in Zukunft ein Mehrgebrauch von Energie. Also all die Maßnahmen, die wir hoffentlich ergreifen, um das Klima zu retten oder wie man das nennen will, die werden gleichzeitig wieder aufgebraucht durch das, was an Mehrgebrauch werden wird durch mehr Menschen auf der Erde. Also, wir gehen spannenden Zeiten entgegen, was uns die gute Laune aber nicht verderben soll. Wir leben jetzt und deswegen ist das auch die Philosophie: „freut euch des Lebens“, auch in dem Lied. Je mehr uns bedroht, desto freundlicher müssen wir werden, sonst haben wir keine Chance. Das klingt ein bisschen paradox, aber ich glaube, dass das etwas ist, was stimmt."

Schnier: "Es gibt einen Song auf dem Album, „Total vernetzt“, den ich sehr witzig finde, weil er so die Thematik, die Probleme, mit der Technik ein bisschen belächelt. Wie geht Udo Jürgens mit Technik und Internet um?"

Jürgens: "Genauso wie in dem Lied! (lächelt dabei) Ich hab sehr große Schwierigkeiten, ein ganz normales Fernsehprogramm zu programmieren, so dass es zur richtigen Uhrzeit aufnimmt. Da muss ich meistens jemanden, meinen Sohn, zur Hilfe holen. Es ist schwierig und dann sehe ich noch, dass selbst der 9-jährige nicht damit umgehen kann. Da versteh ich die Industrie nicht. Ist schwierig. Ich mein, als ich jünger war, da gab es Radios und Schallplattenspieler, die hat man angedreht und leise gedreht. Heute geht alles anders. Warum? Dann gibt es ein dickes Buch dazu. Das schmeiß ich sofort in die Ecke. Ich will das gar nicht lesen. Ich hab was anderes zu tun in meinem Leben, als solch eine dicke Anleitung für ein lächerliches Gerät zu lesen. Ich glaub, da müsste die Industrie umdenken."

Schnier: "Wird es jetzt wieder eine Tournee geben?"

Jürgens: "Jetzt auf keinen Fall. Ganz einfach, weil ich jetzt nicht möchte. Ich habe im letzten Jahr quasi zwei Tourneen beendet. Eine große mit Orchester, eine allein am Klavier. Ich möchte jetzt mal ein tourneefreies Jahr machen. Ich werde genug im Fernsehen machen, auch bei Einzelveranstaltungen auftreten. Aber Anfang nächsten Jahres zieht es mich wieder auf die Bühne. (schmunzelt)"

Schnier: "Das lässt einen dann nicht los, oder?"

Jürgens: "Vernünftig war ich noch nie. (lächelt dabei)"

Schnier: "Jetzt möchte ich nur noch ein Thema ansprechen: Das Musical „Ich war noch niemals in New York“. Haben Sie mit so einer Resonanz gerechnet?"

Jürgens: "Mit großer Angst bin ich da rein gegangen, logischerweise. Es ging jahrelang. Man hat an dem Projekt gearbeitet und dann nachgedacht, über die Besetzung, über tausend Dinge. Und wie es dann näher und näher kam, da wussten wir genau, wenn wir einen gravierenden Fehler machen würden, das heißt, eine Theaterproduktion kann auch nach hinten losgehen. Sie kann schlecht werden und die Leute sagen: „Das ist nichts“. Wir haben uns deshalb sehr, sehr viel Mühe gegeben. Wirklich etwas Unglaubliches. Es ist ein Stück, man glaubt, man sitzt am Broadway im Theater. Es ist ein sehr internationales Stück und von seiner Aufarbeitung, wie es bearbeitet ist, wie gesungen wird, wie getanzt wird auf der Bühne, das hat wirklich Broadway-Niveau. Und ich bin natürlich unglaublich glücklich darüber, dass es ein derartiger Erfolg im Augenblick ist. Hoffentlich noch lang!"

Schnier: "Was ist das für ein Gefühl, wenn man da Lieder sieht, die man normalerweise selbst auf der Bühne singt, wenn diese jetzt von einem Musical aus vorn gesungen werden?"

Jürgens: "Ah, das ist ein tolles Gefühl. Es ist schon bewegend, muss ich sagen. Es gibt Momente in dem Musical, wo ich sehr, sehr emotional berührt war. Gerade, weil es meine eigene Musik ist, weil ich mich an die Szenen erinnere und an die Lebensphasen, in denen ich war, als ich diese Lieder geschrieben habe, und dass diese Lieder heute so einen Stellenwert haben, dass sie in meinem Leben wie ein roter Faden sind, der sich durch das Leben zieht, wie eine Perlenkette und da hängen diese Lieder dran, das bereichert mein Leben schon. Das versöhnt mich mit der Tatsache, dass ich nicht mehr jung bin."

Schnier: "Wie lange soll das jetzt in Hamburg gespielt werden? Bleibt es nur in Hamburg?"

Jürgens: "Ja, es bleibt jetzt vorläufig in Hamburg. Und man hofft natürlich auf eine zweijährige Spielzeit. Wenn wir das erreichen, dann haben wir wirklich viel erreicht. Aber spätestens nach einem Jahr, schätze ich, würde es in andere Städte Europas gehen, der deutschsprachige Raum natürlich als Erstes. Wir haben schon am ersten Abend unglaubliche Angebote bekommen. Es wurde sogar darüber diskutiert, es nach Amerika zu exportieren, nach England. Es waren Produzenten da, die gesagt haben, dass es funktioniert. Ich habe dann darum gebeten, davon jetzt wirklich Abstand zu nehmen. Wir sollten jetzt bloß nicht spinnen. Wir sind froh, dass wir jetzt in Hamburg ein erfolgreiches Stück auf der Bühne haben. Und sollte es dann in andere Städte kommen, Wien, Zürich, Stuttgart, was weiß ich wohin, dann werden wir uns sehr bemühen müssen, um dieses Niveau von Hamburg halten zu können."

Schnier: "Jetzt hat man ja das Gefühl, Sie haben alles erreicht. Was ist da der Antrieb, immer noch einen oben drauf zu setzen?"

Jürgens: "Ich will nichts oben drauf setzen. Ich will einfach meine Lebensbahn, die mir vom Schicksal gegeben ist, ausnutzen. Das hört sich nach abgrasen an, aber nein, ausnutzen will ich nichts. Die begrenzte Spanne, die wir haben, um uns aus dem Fenster des Lebens zu hängen, die will ich leben. Und „leben“ heißt für mich das tun, was für mich wichtig ist: Musik, Komponieren so lange ich kann und, so lang ich die Kraft dazu habe, zu singen. Das sind für mich wichtige Dinge und wenn das Schicksal mir eines Tages sagt: „Junge, mach den Deckel zu“ dann will ich gehorchen."

Schnier: "Dann dank ich für die Zeit. Zeit ist kostbar. Danke, für das Gespräch. Ich wünsche weiterhin alles Gute und für Sie, liebe Zuschauer auf Gute Laune TV, gibt es jetzt ein paar Ausschnitte aus dem Erfolgsmusical „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens."