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Dago Schelin – „Rosas Heft“

17. Juni 2016

Cover Dago Schelin Rosas Heft

Beim Deutsch-Brasilianer Dago Schelin und seinem Album „Rosas Heft“ begegnen sich deutsche Volkslieder und südamerikanischer Bossa Nova auf Augenhöhe.

Manchmal ist es schwer zu sagen, ob die Kunst oder das Leben die besseren Geschichten schreibt. Denn hinter dem Album „Rosas Heft“ steckt eine ungewöhnlich wie fesselnde Geschichte – die mindestens genau so spannend ist wie die jahrhundertealte Tradition jener Lieder, um die auf dieser CD geht. Die Entstehungsgeschichte des Albums jedenfalls beginnt mit den Vorfahren des Sängers und Musikers Dago Schelin, die vor langer Zeit nach Brasilien ausgewandert waren. Dort kam auch Schelin noch zur Welt, seit einigen Jahren aber lebt er in Deutschland.

Dago Schelin Foto Alex Stark

Doch noch in Brasilien fing er irgendwann an, sich mit einem alten Heft zu beschäftigen, in das sein Urgroßmutter Rosa persönliche Erinnerungen und eben auch alte Lieder aus der deutschen Heimat notiert hatte. Es waren deutsche Volkslieder wie „Hejo, spann den Wagen an“, die im fernen Südamerika unter den Deutschstämmigen von Generation zu Generation weitergeben wurden. Sie stehen dort für eine lang zurückliegende Vergangenheit, oft als die einzige kulturelle Verbindung zum Land der Ahnen. Entsprechend positiv waren diese Lieder besetzt – ganz anders als in Deutschland.

Dago Schelin Foto Alex Stark

Denn obwohl die Lieder selbst nichts dafür können, haftete ihnen ihr Umgang unter der nationalsozialistischen Diktatur und auch die verstaubte Traditionspflege in den 50er Jahren an. Viel zu selten wurden diese Stücke aus ihrer unverdienten Isolation geholt – etwa vom einstigen Rattles-Sänger Achim Reichel, der diese alten deutschen Lieder in einen modernen, rockigen Kontext stellte.

Einen ähnlichen, wenn auch ganz eigenen Weg ist nun Dago Schelin gegangen. Inspiriert von den Aufzeichnungen seiner Urgroßmutter, dem titelgebenden „Rosas Heft“, nahm er elf deutsche Volkslieder auf – allerdings im brasilianischen Stil. Man glaubt seinen Ohren kaum zu trauen, wenn man in dem beschwingten Bossa Nova, mit dem Album anhebt, plötzlich „Kein schöner Land in dieser Zeit“ erkennt. Oder in dem flotten Samba-Groove mit einem jazzigen Flöten-Solo „Kommt ein Vogel geflogen“ ausmacht.

Dago Schelin Foto Anabella Bindo Schelin

Auf diese Weise hat Dago Schelin zusammen mit ausgesuchten deutschen Musikern und dem Produzenten Peter Herrmann alle Stücke in sein Latin-Reich geholt. Mal sind es raffinierte Akkordharmonien, mal ein Wechsel vom eckigen ¾-Takt der Originale in den freier fließenden 4/4-Takt, mal eine akustische Bossa-Gitarre im Stil von Antonio Carlos Jobim oder ein sinnliches E-Gitarren-Solo, das auch von Carlos Santana gespielt sein könnte, die dazu beitragen, dass sich die alten deutschen Lieder und der Geist des Bossa Nova ebenbürtig begegnen.

Dass die ganze Sache so authentisch und so gut gelungen ist, liegt natürlich am Künstler selbst, in dessen Person die deutsche und brasilianische Seite zusammenfließen. „Rosas Heft“ ist eben kein am Reißbrett konstruiertes Marketingprojekt, sondern eine Herzensangelegenheit. Und wie aus „Rosas Heft“ das gleichnamige Album wurde, ist in der Tat eine Geschichte, die das Leben und die Kunst nicht spannender hätten schreiben können.

Hier können Sie die CD „Rosas Heft“ von Dago Schelin direkt bestellen:


(1. u. 2. Foto Dago Schelin von oben: Alex Stark;
Foto Dago Schelin unten: Anabella Bindo Schelin
)

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