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Erste Allgemeine Verunsicherung – „Alles ist erlaubt“

05. Oktober 2018

Erste Allgemeine Verunsicherung EAV Cover Alles ist erlaubt

Die Erste Allgemeine Verunsicherung verabschiedet sich nach 40 Jahren mit einem großen Album, dessen Titel „Alles ist erlaubt“ wörtlich zu nehmen ist.

Sie meinen es ernst. Es ist kein Spaß, für den die Erste Allgemeine Verunsicherung (EAV) in 40 Jahren immer stand. Denn nach einem letzten Album und einer Abschiedstournee soll Schluss sein. Sie wollen gehen, wenn es am schönsten ist, haben sie in mehreren Interviews erklärt, und eben nicht als traurige Erscheinung enden, die mit den alten Hits ewig weiter über die Dörfer tingelt. Auch wenn man sich nicht vorstellen kann, dass es bei der EAV angesichts einer ungebrochenen Erfolgsgeschichte mit mehr als zehn Millionen verkauften Tonträgern wirklich irgendwann so kommen würde, muss man ihre Entscheidung natürlich respektieren, so schade das auch ist.

Erste Allgemeine Verunsicherung EAV Foto Karl Schrotter

Und vielleicht gibt es auch etwas Gutes an dieser Entwicklung. Denn mit dem Wissen, dass man sich mit diesem einem letzten Album von der Musikwelt und den Fans verabschieden würde, hat sich die EAV von allen Fesseln befreit und einfach das gemacht, was sie machen wollte – ohne Rücksicht auf irgendwelche Erwartungen. Deswegen heißt das Album dann auch „Alles ist erlaubt“ – ein Motto, das sich auf alle Ebenen erstreckt: musikalisch, textlich, Arrangements und Produktion.

Thomas Spitzer und Klaus Eberhartinger Erste Allgemeine Verunsicherung EAV Foto BMC

So gibt es auf besagtem Album stilistisch ein breites Spektrum, das von Rock/Pop über Balladen und Reggae bis zu modernen Beats oder Pseudo-Volkstümlichem reicht. Dennoch bleibt es am Ende immer unverkennbar EAV, was natürlich auch an der Handschrift von Gitarrist und Band-Mastermind Thomas Spitzer (2. Foto v. oben) liegt, der (fast) alle Songs der Formation komponiert und getextet hat. Und der 65-Jährige hat bei den neuen Songs getreu dem Motto „Alles ist erlaubt“ alle Register gezogen. Das fängt beim eröffnenden Titelsong an, bei dem Spitzer – wie immer kongenial umgesetzt von Sänger Klaus Eberhartinger (2. Foto v. oben) – harte Worte gefunden hat gegen einen Neoliberalismus, in dem entfesselte Banken und Großkonzerne sich alles erlauben können, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Erste Allgemeine Verunsicherung EAV Foto BMC

So ist dann das gesamte Album ein explizit politisches geworden, es übertrifft in seiner Schärfe und bitterböser Ironie sogar noch die letzten Alben „Neue Helden braucht das Land“ und „Werwolf-Attacke“. Lieder wie „Trick der Politik“, „Rechts 2/3“ oder „Das Wandern“ sprechen eine deutliche Sprache, die sich aber nie zu Plattitüden hinablässt, sondern alles stets verpackt in eine rhetorisch aufgeladene Sprache voller Wortwitze, Schüttelreime oder einfach nur Nonsens.

Erste Allgemeine Verunsicherung EAV Foto BMC

Und gleichzeitig bedeutet das Albummotto „Alles ist erlaubt“, sich eben auch die Freiheit zu nehmen für Songs wie die poetische Rockballade „Gegen den Wind“ (die dann gar ein Gastsänger, der österreichische Musiker Lemo, singt) oder das berührende Antikriegsstück „Der letzte Brief“. Hier hat Spitzer Frontbriefe von Soldaten aus dem ersten Weltkrieg verarbeitet – ganz ohne Ironie oder Pointe. Aber das zeichnet eine großartige Band wie die Erste Allgemeine Verunsicherung aus, die in den vergangenen 40 Jahren ihre künstlerische Vision verfolgt hat und dabei höchste Höhen erreicht hat.

So traurig es auch sein mag, dass sich die Formation nun verabschiedet, so versöhnlich ist es auch, dass sie mit so einem absoluten Meisterwerk geht. Und gelächelt werden darf dabei auch – das meint die EAV ganz ernst.

Hier können Sie die CD „Alles ist erlaubt“ von der Ersten Allgemeinen Versicherung direkt bestellen.

(Foto Erste Allgemeine Verunsicherung oben: Karl Schrotter;
alle weiteren Fotos Erste Allgemeine Verunsicherung: BMC
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