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Harald Juhnke – „Was bleibt, ist die Musik“

24. Mai 2019

Harald Juhnke Cover Was bleibt, ist die Musik

Harald Juhnke wurde gern der „deutsche Frank Sinatra“ genannt. Dass er noch viel mehr konnte, zeigt eine neue Zusammenstellung seiner besten Songs.

Am 10. Juni 2019 wäre Harald Juhnke 90 Jahre alt geworden. Nicht nur Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Fernsehen würdigten den am 1. April 2005 verstorbenen Künstler mit Dokumentationen, Essays und Erinnerungen, auch seine Plattenfirma hat zu diesem Anlass eine Zusammenstellung mit 23 seiner besten Lieder auf den Markt gebracht. Denn Harald Juhnke, der seine Karriere in den späten 40e-Jahren begann, war zwar vor allem als Schauspieler und als einer der letzten großen deutschen Entertainer bekannt und beliebt, aber die Musik hatte bei ihm immer schon einen sehr hohen Stellenwert.

Grit Boettcher und Harald Juhnke Foto Schneider Press Erwin Schneider

So trat er 1979 die Nachfolge von Peter Frankenfeld bei der legendären TV-Show „Musik ist Trumpf“ an, wo er nicht nur illustre Gäste begrüßte, sondern auch immer wieder selber zum Mikrophon griff und mit seinem Gesangsstil zwischen Berliner Schnodderschnauze und Gentleman-Grandezza begeisterte. Im Laufe der Jahre folgten dann auch eigene Aufnahmen, bei denen er sein Talent als Interpret von ganz unterschiedlichen Songs unter Beweis stellen konnte.

Harald Juhnke Rex Gildo Foto Schneider Press Erwin Schneider

So trifft die ehrenvolle Bezeichnung „der deutsche Frank Sinatra“ bis zu einem gewissen Grad zwar zu, greift aber zu kurz. Sicherlich war Sinatra ein großes Vorbild für Juhnke, der die zwischen Männlichkeit und Verletzbarkeit changierende Aura der US-Legende wie kein anderer vor oder nach ihm perfekt ins Deutsche übertragen hat, Aber Juhnke war eben mehr als ein großartiger Sinatra-Interpret, was dann auch die Vielfalt der Songs auf der neuen Zusammenstellung widerspiegelt. Denn da finden sich auch Stücke wie „Bleib cool, Bel Ami“ in der „Beat 4 Feat Soul Version“, in der man Juhnke in einem modern produzierten Track sogar wahrhaft rappen hört, oder die deutsche Fassung von „Paroles, Paroles“, „Worte“, ein spielerischer Schlagabtausch mit Duettpartnerin Dalida (die im Original Alain Delon angesungen hatte). Und was weniger bekannt ist: Extrabreit haben nicht nur mit Hildegard Knef und Marianne Rosenberg denkwürdige Titel aufgenommen, sondern auch mit Harald Juhnke: Beim Schicksals-Song „Nichts ist für immer“ kann man den Berliner richtig rocken hören.

Günter Pfitzmann und Harald Juhnke Foto Schneider Press Erwin Schneider

Und dennoch: Juhnkes deutsche Fassungen von Sinatra-Standards bleiben unerreicht, weswegen es auch angemessen ist, dass die in glamourös swingenden Big-Band-Arrangements eingespielten Stücke den größten Teil des Albums einnehmen. „Berlin, Berlin“ (klar, seine Version von „New York, New York“), „Ich glaub, die Lady schaff’ ich nie“ („The Lady Is A Tramp“) oder Brecht/Weills „Mackie Messer“ sind einfach fantastisch. Was bei Schauspielern, die glauben, auch singen zu können, oft ein Nachteil ist, dass sie nämlich nur spielen, ein Sänger zu sein, verwandelt sich bei Juhnke zum Vorteil: Er artikuliert, phrasiert, kommentiert, improvisiert, spielt mit den Worten und erweckt die Texte dadurch zum Leben.

Brigitte Grothum und Harald Juhnke Foto Schneider Press/Erwin Schneider

Das gilt auch für seine beiden großen Hymnen, die nicht ohne Grund Anfang und Schluss der CD bilden. So berührt „Barfuss oder Lackschuh“ mit der von Juhnke bis zur letzten Konsequenz gelebten Ansage, „nie die goldene Mitte, immer volles Risiko“ zu wollen, den Zuhörer auch angesichts Juhnkes tatsächlicher Biographie. Und die krönende Version von Sinatras Lebensbeichte „My Way“ macht ergreifend klar: Im Leben geht es mal auf, mal ab, aber genau das ist dein Weg in diesem Leben. Und diesen Weg ist Harald Juhnke immer gegangen – unser Glück ist, dass er dabei solche musikalische Meilensteine hinterlassen hat.

Hier können Sie die CD „Was bleibt, ist die Musik“ von Harald Juhnke direkt bestellen:


(Foto oben: Grit Boettcher und Harald Juhnke: Schneider Press Erwin Schneider,
2. Foto v. oben: Harald Juhnke Rex Gildo: Schneider Press Erwin Schneider,
2. Foto v. unten: Günter Pfitzmann und Harald Juhnke Foto Schneider Press Erwin Schneider,
Foto unten: Brigitte Grothum und Harald Juhnke Foto Schneider Press/Erwin Schneider
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