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Semino Rossi – „So ist das Leben“

05. Juli 2019

Semino Rossi Cover So ist das Leben

Auf seinem neuen Album glückt Semino Rossi der Spagat zwischen dem Latin-Feeling seiner argentinischen Heimat und modern produziertem Pop-Schlager.

Wer das Glück hatte, ihn jüngst auf seiner „Latino“-Tour zu erleben, hat dort einen anderen Semino Rossi gesehen als den, den man von seinen alten Platten und früheren Tourneen kannte. Denn der Sänger aus Argentinien, der 1985 seine Heimat verlassen hatte, um sein Glück in Europa zu suchen (und schließlich auch zu finden), zeigte bei diesen grandiosen „Latino“-Konzerten, dass noch immer ein feuriger Südländer in ihm steckt. So sang er (fast) ausschließlich auf Spanisch und spielte die Musik seiner Heimat mit einer Band, die all diese Stile von Latin-Pop über Salsa, Merengue bis hin zum Tango mit atemberaubender Perfektion beherrschte. Ein Teil des Publikums reagierte zunächst überrascht, ließ sich dann aber doch von den treibenden, südamerikanischen Rhythmen und dem erotischem Timbre der spanischen Sprache begeistern.

Semino Rossi Foto Manfred Esser

Zwar stellte Semino Rossi bei diesen Konzerten bereits einen Song von seinem damals noch unveröffentlichten Album vor, aber die Frage stand natürlich im Raum, wie denn nun seine neue CD wohl klingen würde, nachdem er auf seinem letzten Album, „Ein Teil von mir“, 2017 bereits einen stilistischen Neuanfang gewagt hatte (was prompt mit einer Platin-Auszeichnung belohnt wurde).

Damals hatte der in Tirol lebende Argentinier seinen Sound aufgefrischt, modernisiert und die Songs mehr in Richtung Pop-Schlager arrangiert. Auf „So ist das Leben“ glückt ihm nun der Spagat, diese neuen Elemente beizubehalten, zugleich aber auch die Latino-Sounds seiner Heimat stärker zu integrieren denn jemals zuvor auf einem seiner Alben.

Semino Rossi Foto Manfred Esser

Diesen Effekt erreichte der 57-jährige Künstler mit einer einfachen wie naheliegenden Methode. So engagierte er für die poppigen, tanzbaren Schlager-Songs wieder den Produzenten Thorsten Brötzmann (Howard Carpendale, Christina Stürmer, Ben Zucker, Kerstin Ott, Kelly Family, Unheilig), die traditionelleren Songs mit Latin-Grooves, Flamenco-Gitarren oder Streichern produzierte Semino Rossi im Verbund mit Wolfgang Moroder selber. Und diese Mischung funktioniert auf dem Gesamtalbum großartig, weil das Spektrum noch größer, noch reicher geworden ist, während die unverkennbare Stimme von Semino Rossi eh die Klammer bildet, die alles zusammenhält und den Zuhörer gleichsam sanft an die Hand nimmt, um ihn mit Charme durch eine abwechslungsreiche Songsammlung zu führen.

Semino Rossi Foto Manfred Esser

So findet sich auf dem Album die Piano-Ballade „Du und ich“ gleich neben der Dancefloor-tauglichen Alltagsbeobachtung „Das verflixte 7. Jahr“, bevor Semino Rossi dann mit „Un Dia Volveremos A Ver“, der spanischen Version von Andreas GabaliersAmoi seg’ma uns wieder“ berührt. Ein Beispiel für das glänzende Latin-Repertoire auf dem Album ist das mitreißend in Szene gesetzte „Y Quedate Conmigo“ (Spanisch für: Und bleib bei mir), bei dem Bläser punktgenau für einen fetzigen Rhythmus sorgen. Weitere Höhepunkte sind die beiden Stücke mit Gastsängern: Auf „Unbeschreiblich weiblich - umständlich männlich“, einem witzigen Spiel mit Geschlechterklischees, hört man Rosanna Rocci, bei der einfühlsamen Ballade „Nur du“ wirkt Nino de Angelo mit. Und der Opener „Hola Hola“ verbindet gar Latin-Feeling mit Party-Beats. Nein, diesem Semino Rossi scheinen die Ideen noch lange nicht auszugehen. Und auf „So ist das Leben“ hat er seine Vorstellungen meisterhaft umgesetzt – egal ob diese aus dem argentinischen Hochland oder der deutschen Schlagerwerkstatt kommen.

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(Fotos Semino Rossi: Manfred Esser)

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