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Stefan Waggershausen – „Aus der Zeit gefallen“

08. Februar 2019

Stefan Waggershausen Cover Aus der Zeit gefallen

Stefan Waggershausen ist musikalisch in die Südstaaten gereist und vermählt die dortigen Sounds mit seinem herausragenden Talent für eigenständige Songs.

Nein, ein Comeback kann man das neue Album von Stefan Waggershausen eigentlich nicht nennen. Das gilt vielmehr für sein Vorgängeralbum „So ist das Spiel“ aus dem Jahr 2010, als er sich nach einer 13-jährigen Pause, in der sich unter anderem in der deutschen Verwertungsgesellschaft GEMA für die Textdichter einsetzte, wieder als Sänger, Songwriter und Musiker zurückmeldete. Nun sind seitdem gleichwohl neun Jahre vergangen – in der schnelllebigen Popwelt der Gegenwart eine ganze Ewigkeit. Doch wie der Titel des neuen Albums unmissverständlich klarmacht, sieht sich der Künstler, der am 20. Februar 70 Jahre alt wird, eh „aus der Zeit gefallen“.

Stefan Waggershausen

Das gilt auch und vor allem musikalisch. Die zwölf neuen, oft fünf- oder gar sechsminütigen Songs haben nichts mit modern produzierter Pop-Musik, mit Discofox-Schlager oder sonstigen aktuellen Trends zu tun. Stattdessen führt der aus Friedrichshafen stammende Künstler, der bereits 1972 seine erste Single veröffentlichte, seine musikalische Reise fort, die ihn in den 90er-Jahren bereits nach Louisiana und New Orleans, zu Blues, Country, Cajun und weiteren Klängen der US-Südstaaten geführt hatte.

Stefan Waggershausen

Und obwohl sich alle diese Elemente auch auf „Aus der Zeit gefallen“ wiederfinden, so hat das neue Album doch einen ganz eigenen Sound, ein ganz eigenes Konzept. Noch stärker als zuvor vermengt er all diese Ingredienzien mit seinem Können als Songwriter, das uns solch unvergessene Lieder wie „Verzeih’n Sie, Madam“, „Es geht mir gut“, „Bitte, Herr Doktor“ oder „Zu nah am Feuer“ geschenkt hat. Dieses Gespür für unterschwellige Melodien, die sich dann umso kräftiger festsetzen, hat Waggershausen nicht verloren, es scheint überall durch – auch wenn man glauben könnte, dass diese Musik wohl aus den USA kommen muss (wenn man einmal außer Acht lässt, dass hier natürlich Deutsch gesungen wird).

Stefan Waggershausen

Denn seine Musik hat einiges von US-Größen wie Dr. John, The Band oder Daniel Lanois, auch wenn die Geschichten, die er auf dem Album etwa bei „Ich kenn mich aus mit dem Blues“, „Mädchen der besonderen Art“ oder „Du, das wär nur heute Nacht“ so atmosphärisch dicht erzählt, dann doch ganz typisch Waggershausen sind. Einfach weil sie ungewöhnlich sind, nicht auf der Seite der ewigen Gewinner stehen und selbst bei Hoffnung machenden Songs wie „Etwas Gutes wird kommen“ immer auch etwas Melancholie durchschimmert.

Stefan Waggershausen © Jim Rakete

Bewunderung verdient auch die musikalische Umsetzung des neuen Albums, das auf rein handgemachte Musik setzt. Auch wenn Fiddle oder Akkordeon einige Akzente setzen, sind Gitarren aller Art das prägende Instrument auf dem Album, ohne sich jemals aufzudrängen. So gibt es im Grunde kein richtiges Gitarrensolo, vielmehr erzählen die Gitarrenlinien scheinbar ihre eigene Geschichte, ergänzen sich perfekt mit dem Gesang und färben die musikalische Landschaft entsprechend ein. Das kann man etwa auf dem berührenden „Der Rock ’n’ Roll ruft seine Kinder heim“ nachvollziehen, das sich mit den viel zu früh verstorbenen Musikern des sogenannten „Club 27“ im allgemeinen und Amy Winehouse im besonderen beschäftigt (und dabei gleichsam den Faden aus dem Waggershausen-Klassiker „Hallo Engel“ aufgreift). Daran sieht man: Auch wenn der Künstler sein Werk „aus der Zeit gefallen“ sieht, so ist es in Wahrheit doch zugleich auch zeitlos – ein Album für die Ewigkeit.

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(Foto Stefan Waggershausen unten: Jim Rakete)

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