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Andreas Martin

Willi Arsan: "Andreas Martin ist bei mir im Studio, ich freu mich sehr. Hallo Andreas, schön, dass du da bist."

Andreas Martin: "Ja, freut mich auch sehr."

Arsan: "Andreas, du bist seit 28 Jahren im Geschäft. Ist ja eine ordentliche Zeit, da kann man ja ein bisschen Revue passieren lassen. Dein erster Titel war „Wenn du weinst“. Welche Erinnerung hast du daran?"

Martin: "Da war ich das erste Mal in der Hitparade. Ich kann mich erinnern, ich war da mit solchen Größen wie Costa Cordalis. Ich musste dann aufstehen, weil das Intro kam. Ich kam mit dem Arsch nicht hoch, weil ich so eine Angst hatte, und dann hieß es, er wackelt mit der Stimme und als ich dann irgendwann stand, dachte ich, und jetzt singst du den Titel und das war okay. Das war lustig."

Arsan: "Wie ist das so, wenn man dann solche Größen wie Costa Cordalis, der ja auch in den 70ern schon ganz der Große war, und dann kommt man als junger Kerl da mit dazu. Wie wird man da aufgenommen? Wie geht man damit um?"

Martin: "Die haben mich gar nicht so richtig wahrgenommen. Die sagen auch nicht „Komm du Kleener, erzähl mal, dann helfen wir dir“. Nee, nee, die machen da ihr Ding. Ich hatte natürlich Ehrfurcht und (lacht dabei) das führte bei mir dazu, dass ich mich ein bisschen reserviert verhalten habe, aber das ging in der Endkonsequenz ganz gut. Ich hatte dann nachher auch noch die ein oder andere Hitparade. Und dann kriegt man zu den Kollegen langsam Kontakt und spricht auch miteinander, sagt „Guten Tag“, dann wird die ganze Geschichte schon lockerer."

Arsan: "Also, als Newcomer wirst du nicht so richtig wahrgenommen, da fällst du hinten runter."

Martin: "Richtig! Ich glaube schon, es sei denn, du hast den Ober-Ober-Head-On und die sagen alle „Hey, was ist denn jetzt los“."

Arsan: "Wie war das dann? 1982 „Amore Mio“, der große Durchbruch! Wie wurdest du da wahrgenommen?"

Martin: "Da war es schon anders. Da war ja auch Trio mit dabei. Und das sind ja auch so alte Musiker. Wir haben uns dann sofort sympathisch gefunden und sind dann auch später ein Bier trinken gegangen. Also das war schon in Ordnung, ja!"

Arsan: "2001 hast du das Album „C´est la vie“ auf den Markt gebracht. Da gibt es ein Lied, „Ruhig Blut“ nennt sich das. Das ist so etwas wie ein Ratgeber für gestresste Eltern, kann man ja sagen. Dein Sohn war zu dieser Zeit 15 Jahre. Hast du da eigene Eindrücke verarbeitet?"

Martin: "Ja, ich habe den Text einfach so geschrieben, wie es sich dargestellt hat. Das war wirklich so. Der hat meine Unterhosen angezogen, der hat auch meine Jeans angezogen. Die Kinder gehen dann einfach an den Schrank und nehmen das Eau de Toilette raus. Dann sagst du irgendwann, sag mal da war doch eine Flasche, wo ist denn,… leer! Der Sohn riecht. Ja, da muss man halt vorsichtig sein. Brüllen ist nicht erlaubt."

Arsan: "Andreas, nicht nur eine große Nummer als Sänger im Schlagergeschäft, sondern du bist auch eine große Nummer als Komponist. Du hast für viele Künstler wirklich tolle Titel gemacht. Juliane Werding hat dir ein bisschen was zu verdanken, Roger Whittaker, dein guter Freund Wolfgang Petry, für den hast du auch ein bisschen gearbeitet. Und meiner Mutter muss ich den Gefallen leider tun, für Engelbert natürlich auch. Wieso macht man einen Titel für einen anderen Künstler, mit dem man selbst vielleicht auch Erfolg haben kann?"

Martin: "Nein, das ist ja anders. Da bekomme ich ja ein Angebot. Ich hab das auch gerade wieder bekommen von Roger Whittaker. Die aktuelle Single, „Du bist ein Engel“, die ist auch wieder von mir. Da schreib ich dann ganz gezielt auf den Interpreten und versuche, die Atmosphäre und die musikalische Darstellung einzufangen um ihm dann einen Titel zu präsentieren, der zu ihm passt. Roger Whittaker hat mit mir persönlich gar nichts zu tun. Das Gleiche haben wir bei den Brunners. Das ist eine ganz andere musikalische Richtung als ich sie mache. Und „Schenk mir diese eine Nacht“ war ein ganz großer Hit von ihnen. Hätte ich den gesungen, wäre es wahrscheinlich überhaupt gar keiner geworden. Bei dem passt das. Meine musikalische Darstellung ist auch ein bisschen anders, insofern trennt sich das schon ganz schön. Und ich bin viel, viel lieber für Kollegen tätig, weil ich dann weiß, wie sollst du den Titel anlegen. Da hast du ein Ziel und in die Richtung soll es gehen. Bei mir ist es manchmal schwierig, vor allem wenn es nicht ganz so erfolgreich ist, dann eiert man so ein bisschen rum und sagt was machste jetzt beim nächsten Mal."

Arsan: "Wobei, wenn ich dich jetzt so höre und du sagst, wie leg ich den Titel an, du bist ja selbst auch sehr wandelbar. Du hast ja auch schon bewiesen, dass du durchaus nicht nur eine Facette hast, sondern mehrere Facetten bedienen kannst. Ich kann mir das fast nicht vorstellen, dass man sich dann einen Song nicht zutraut. Du hast ja auch ein Album, bei dem du auch einen „Brunner & Brunner“ Song mit verarbeitest und selber quasi zum Besten gibst."

Martin: "Das war einfach mal um darzustellen, wie das Klingen würde, wenn ich das singe." (lacht dabei)

Arsan: "Es gibt keinen Song, den man sich eigentlich nicht selbst zutraut oder hab ich dich da falsch verstanden?"

Martin: "Die Stilistik bei den Brunners ist total anders als ich sie mache. Und die Stilistik bei Wolfgang Petry ist auch anders als ich sie mache und die Stilistik bei den Flippers ist auch total anders. Insofern unterscheidet es sich. Für mich ist es einfacher, für Brunners oder Flippers oder Nockalm-Quintett Titel zu schreiben als für mich persönlich, weil man für sich persönlich denkt. Naja, das ist nicht gut genug und das ist nicht gut genug und dann schmeißt man schon mal was weg, was Potential gehabt hätte."

Arsan: "Andreas, „100% Sehnsucht“, dein Debüt-Album bei der Ariola war ein „anderes“ Andreas Martin-Album."

Martin: "Ja, weil die dicke Pauke da nicht so vorrangig war. Und ich habe ganz viel mit Naturinstrumenten gearbeitet. Ich habe mir für dieses Album auch einen Bass gekauft und habe bei vielen Titeln wieder den Bass selber gespielt. Und das hört man, weil das knallt dann nicht so, wie man das normalerweise in der Pop-Musik gewöhnt ist. Man hat ein ganz anderes Klangbild. Das hing aber damit zusammen, dass viele Fans einfach mal so sehnsuchtsvolle Titel haben wollten, wie „Mehr als Sehnsucht“, „Wenn du weinst“ und welche aus der Vergangenheit. Da habe ich gesagt, ich mache euch ein Album mit 14 Songs, die haben alle ganz viel Sehnsucht."

Arsan: "Und Sehnsucht gab es dann. Aber danach wieder ein bisschen mehr Wums. So hast du es beschrieben."

Martin: "So war das, genau. Und danach haben sie gesagt, es ist genug Sehnsucht, wir wollen wieder tanzen. Ja, da habe ich gesagt, ich mache ein Album mit 13 Songs, wo ihr kräftig drauf Tanzen könnt."

Arsan: "Und da sind wir bei deinem aktuellen Album. „Mondsüchtig“ heißt es und es ist ein Album das extrem erfolgreich ist, vom Start weg, muss man so sagen. Bei aller Demut, die dich auszeichnet Andreas, aber wirklich großartig und da will ich dich ganz gerne fragen: Du hast gesagt, ich mach den Fans ein Album, wo sie wieder tanzen können. Heißt das, dass die Fans bei dir ein Mitspracherecht haben?"

Martin: "Die haben ein ganz großes Mitspracherecht. Ich hab ja auch einen kleinen Fanclub. Und wir tauschen uns natürlich aus. Die sagen mir schon, was sie ganz gerne hätten und dann kann ich darauf eingehen. Also immer werde ich das nicht tun, aber wenn es Sinn macht, dann ist das so und dieses Mal war es gut, dass ich das getan habe. Denn ich kriege die Resonanz mit, draußen vor Ort. Und die Diskotheken sagen wieder, „Mensch, das ist ja wieder der alte, wir können dich wieder spielen“. Bei dem „Schleichern“ bin ich ein bisschen durch´s Rost gefallen. Aber jetzt bin ich, glaube ich, ganz gut wieder vertreten in den Diskotheken. Und es fühlt sich schön an."

Arsan: "Fühlt sich schön an! Was hast du auf diesem Album anders gemacht, würdest du sagen?"

Martin: "Naja, was hab ich denn anders gemacht? Eigentlich ist es eher wieder Andreas Martin wie er früher mal war. Dann haben wir natürlich die Basedrum ganz weit nach vorne gemischt. Ich habe aber wieder darauf geachtet, dass die Texte auch einen Inhalt haben. Das lag mir schon sehr am Herzen. Und dass man da so eine Symbiose hinkriegt, wo der Zuhörer sagt, damit kann ich mich auch identifizieren, das hab ich auch mal erlebt, ja, der hat recht."

Arsan: "Kommen wir gleich mal zu einem Text: „Ich fang dir den Mond“, das ist die erste Single aus dem Album „Mondsüchtig“ und da beschreibst du, wenn ich es richtig verstanden habe, ist es ein Dankeschön an eine Frau, die auch in schlechten Zeiten da war."

Martin: "Ja, und ich habe weder den Text gemacht noch die Komposition. Das sind diesmal Jean Piere Valance und Michael Buschjan, die die ganzen Hits für den Wolfgang Petry komponiert haben, zum Teil auch getextet. Ich hab den Titel gehört, da habe ich gesagt, „Leute, das ist lustig. „Ich fang dir den Mond mit dem goldenen Lasso ein“ ist ja eigentlich spinnert, aber es ist ein anderes Bild. Es ist abstrakt gemalt. Und jetzt kommt „dann wird es um dich nie wieder dunkel sein“. Ja, da fällt doch jede Frau um! Deine Haare leuchten grenzenlos und deine Augen tun es sowieso! Meine Güte! Das ist einfach eine Liebeserklärung, schöner kann man es nicht sagen. Und das fand ich klasse. Vor allen Dingen ist es im Vers, jede Zeile ist ein abgeschlossenes Bild. Und das schafft man auch nicht immer. Und da muss ich sagen und den Jungs einfach mal auf die Schultern klopfen, das habt ihr gut gemacht."

Arsan: "Mit „Ich fang dir den Mond“ hast du deine beste Chartplatzierung seit 19 Jahren erreicht. Genießt man das jetzt ein bisschen anders, nach all den Jahren?"

Martin: "Ich muss unheimlich aufpassen, dass ich das überhaupt so genießen kann, und mich so richtig darüber freuen kann, weil ich ja schon wieder in der Zukunft lebe und denke, übermorgen kann´s ja schon vorbei sein. Also momentan nehme ich das an und freue mich und würde mich natürlich freuen, wenn es nicht aufhört."

Arsan: "„Mondsüchtig“, das Album haben wir schon angesprochen. Viele Menschen sind ja mondsüchtig. Du auch?"

Martin: "Ich bin in der Tat sehr mondsüchtig. Wenn das dicke Ding da am Himmel steht, dann kann ich nicht schlafen. Habe allerdings in dieser Zeit, wenn dann so etwas passiert, den einen oder anderen Titel komponiert. Unter anderem sogar einen Hit. „Schenk mir diese eine Nacht“ ist mir eingefallen. Als der Mond am Himmel stand, musste ich aufstehen. Ich bin sofort ans Diktiergerät, bebebebe … und dann war es festgehalten."

Arsan: "Das Diktiergerät natürlich direkt neben dem Bett, damit keine Idee verloren geht. Wie geht es weiter mit Andreas Martin?"

Martin: "Naja, es geht so weiter, dass ich gerade für den Roger Whittaker gearbeitet habe, wieder für die Brunners gearbeitet habe, für die Paldauer gearbeitet, Gaby Albrecht und dann mach ich gerade eine Produktion, die ist lustig mit dem Wolfgang Lippert. Der alte Ossi-Sänger, der auch mal „Wetten, dass“ moderiert hat. Der hat gerade eine Single draußen, die heißt „Regine, Regine du gibst immer viel mehr aus als ich verdiene, doch mit dir bin ich der reichste Mann der Welt“, finde ich klasse. Wir haben ein Album gemacht und das finde ich insofern so schön, die Titel sind alle unterschiedlich, haben alle unheimlich viel Pfiff und auch Tiefe. Und jetzt müssen wir mal gucken ob die Menschen das später auch genauso hören."

Arsan: "Dann wünsche ich dir von dieser Stelle natürlich nur das Beste für die Zukunft, natürlich auch mit deinem Song „Ich fang dir den Mond“, den hören wir uns jetzt gleich mal an. Vielen Dank für den Besuch, Andreas Martin, und vielleicht magst du den Titel für deine Fans selbst ansagen?"

Martin: "Ja, viel Spaß mit „Ich fang dir den Mond mit dem goldenen Lasso ein“."

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